29/04/2025
Gut erklärt 😊
Miet-Rendite vs. Eigenkapital-Rendite
Ich habe neulich ein Interview mit einem renommiertem Finanzexperten gesehen. Dieser erklärte, dass Immobilien keine gute Anlageklasse wären, weil man damit im Schnitt nur 3-4% Miet-Rendite erzielt. Aktien würden langfristig besser abschneiden (7%) und man hätte auch den ganzen Ärger mit Mietern etc. nicht.
Bei solchen Äußerungen frage ich mich ernsthaft, ob dieser Finanzexperte seinen Beruf nicht verfehlt hat. Er vergleicht Äpfel mit Birnen.
Hier ist warum: Die Miet-Rendite beschreibt das Verhältnis von Kaufpreis zu Miete. Daran kann man z. B. erkennen, ob eine Wohnung im Ankauf "zu teuer" ist (in Relation zu den Mieteinnahmen). Beim Thema Vermögensaufbau geht es aber vor allem um das Thema Eigenkapital-Rendite und nicht nur um die Miet-Rendite!
Ein Beispiel: A und B haben beide
€ 10.000 gespart und möchten diese anlegen.
A kauft für € 10.000 Aktien und kann nach 10 Jahren im Durchschnitt mit rund
€ 19.700 rechnen
(7% Rendite über 10 Jahre inkl. Zinseszinseffekt)
B kauft mit seinen € 10.000 eine Wohnung im Wert von € 100.000. Die Finanzierung gestaltet er so, dass er monatlich € 100 mehr an Miete einnimmt, als er an die Bank zahlen muss und das
Geld bei Seite legt. Zudem tilgt er 2% pro Jahr. Er ist vorsichtig und geht langfristig von nur 2% Wertentwicklung der Immobilie aus. Wie sieht aber seine Eigenkapital-Rendite nun aus?
1. Er hat Einnahmen von € 100 pro Monat, also € 1.200 pro Jahr
2. Er tilgt € 2.000 pro Jahr (Vermögensaufbau). Genauer gesagt, tilgt sein Mieter, denn B
zahlt den Kredit aus den Mieteinnahmen an die Bank zurück.
3. Ca. € 2.000 pro Jahr sind Vermögensaufbau durch den Wertzuwachs der Immobilie,
später sogar mehr.
Macht in Summe € 5.200 Rendite im ersten Jahr. Bezogen auf die eingesetzten € 10.000 sind dies 52% Eigenkapital-Rendite!
Ich will nicht verschweigen, dass B auch noch Kauferwerbsnebenkosten hatte und seine € 10.000 erstmal weg sind für Grunderwerbssteuer, Notar, Gerichtsgebühr und evtl. Makler-Provision. Dennoch hat er nach 10 Jahren einen Return On Investments (ROI) von weit über € 50.000, also über € 40.000 hinzuverdient. Wer ist nun reicher?
A hat rund € 19.600 in Aktien
B hat eine Wohnung im Wert von dann € 122.000. Zudem hat er rund € 12.000 Bargeld. Dem gegenüber steht der Kredit der Bank mit dann nur noch rund
€ 80.000. Er hat also ein Nettovermögen von € 54.000. Seine € 10.000 folglich mehr als verfünffacht!
Dass man das nicht in der Schule lernt, ist traurig und frustrierend zugleich. Dass das sogenannte Finanzberater nicht erklären können bzw. selbst nicht verstehen, ist fatal! Natürlich würden
diese jetzt einwenden, dass Reparaturen, eventueller Mietausfall, Bewirtschaftungskosten etc.
in dieser Rechnung vergessen wurden. Aber selbst, wenn B in den 10 Jahren der Betrachtung z. B. € 14.000 an diesen Kosten gehabt hätte, hätte er immer noch € 26.000 hinzuverdient, also mehr als verdreifacht.
Natürlich machen Immobilien auch mehr Arbeit als Aktien oder ETFs, dennoch eignen sie sich
deutlich besser für den Vermögensaufbau, wenn man den Mehraufwand nicht scheut.