29/01/2026
Freitag, 30.1.2026
Studio2/ORF 2 ab 17:30 Uhr
Thema diesmal: Ballspenden
Wien, ein Ballabend im 19. Jahrhundert.
Musik liegt in der Luft, Kerzenlicht spiegelt sich in Seide. Beim Eintritt erhält jede Dame ein kleines Geschenk – unscheinbar vielleicht, aber voller Bedeutung: die Ballspende.
Ballspenden oder Damenspenden waren eine Wiener Spezialität von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg, 1914. Beim Betreten des Ballsaales wurde den Tänzerinnen das kleine, schmuckähnliche Geschenk überreicht, das sie mit einem Haken am Kleid befestigten. Das Äußere der Ballspende hing von den Veranstaltern ab: bei den Brauergesellen ein Bierfässchen, beim Postball ein Kuvert, beim Universitätsball eine Schultasche, bei den Eisenbahnern eine Lokomotive.
In dem phantasievoll und aufwändig gestalteten Futteral befand sich das Programm des Abends, die "Tanzordnung". Die Dame vermerkte den Namen des Herrn, dem sie einen Tanz versprochen hatte, mit dem beigegebenen kleinen Bleistift beim jeweiligen Programmpunkt. Die traditionellen Tänze der Jahrhundertwende waren Walzer, Ländler, Marsch, Polka, Quadrille und Galopp. Angeführt war auch die "Ruhe", um Mitternacht wurde meist eine einstündige Pause - zum Plaudern, Essen und Trinken - eingeschaltet. Danach vergnügte man sich bis in die frühen Morgenstunden weiter.
Die Damenspende gibt es auch heute noch. Die hat sich allerdings aus den kunstvollen Verpackungen von sogenannten Tanzkarten entwickelt. Ab den 1830er und 1840er Jahren trugen Damen Karten bei sich, auf der die Zahl und Art der Tänze vorgeschrieben war und Männer sich eintragen konnten. Das war nicht nur eine nette Erinnerung an den Ballabend, sondern so wurde mitunter auch die Anzahl der Walzer limitiert, die eine Frau tanzen durfte. Das zeigt, dass das sittliche Verhalten junger Frauen und Männer damals stark überwacht wurde.
Was einst praktisch war, wurde bald zum Ausdruck von Fantasie, Handwerk und Zeitgeist. Heute sind diese Ballspenden begehrte Sammlerstücke – kleine Zeugen großer Nächte.
Ich zeige einige originale Exemplare, jedes mit eigener Geschichte.
Und auch heute lebt diese Tradition weiter – etwa beim Wiener Opernball.
Alles Walzer.
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