05/09/2022
Welcher Kappzaum - welcher Druck?
Bereits im Jahre 2010 hat das Cavallo Magazin einen interessanten und aufschlussreichen Test mit den unterschiedlichen Kappzäumen durchgeführt.
Hier ein Auszug aus dem Cavallo-Test vom 13.12.2010:
Die Mär vom schweren Kappzaum, der das Pferd belastet, ist weit verbreitet: "Viele greifen deshalb zu leichten Caveçons oder Serretas, übersehen dabei aber, dass diese südeuropäischen Zäume schärfer als unsere traditionellen sind", sagt Teschen.
Die Ergebnisse der Messreihe bestätigen Teschens Longengefühl: Bei den beiden gut gepolsterten Kappzäumen sind die durchschnittlichen Zug-Höchstwerte an der Longe mit 6,2 Kilo (Deutscher Kappzaum) und 6,8 Kilo (Wiener Kappzaum) deutlich höher als bei den ungepolsterten (Lederkappzaum 4,1 Kilo, Caveçon 4,9 und Serreta 5,0).
Die Messungen unter den Kappzäumen zeigen, dass diese Kraft nicht vollständig auf der Pferdenase ankommt. Die höchste Gesamtbelastung auf der kompletten Messfolie liegt beim deutschen Kappzaum bei 2,8 Kilo, was 45 Prozent des Maximalwerts an der Longe entspricht. Beim Wiener Kappzaum kommen mit 2,4 Kilo nur 35 Prozent des maximalen Longenzugs auf der Nase an. Lederkappzaum, Caveçon und Serreta übertragen mit 43, 46 und 42 Prozent ähnlich viel Kraft wie der Deutsche Kappzaum.
Der Zug von der Longe landet also nicht nur auf der Pferdenase. Einen Teil absorbieren sicher die Polster. Der Rest wirkt an anderen, nicht vermessenen Stellen des Kappzaums, etwa seitlich am Nasenteil oder an Backen- und Genickstück.
Der maximale Druck auf einem Quadratzentimeter liegt beim Wiener Kappzaum trotz höchster Zugkräfte an der Longe nur bei etwa 300 Gramm. Beim Deutschen sind es mit knapp 600 Gramm schon deutlich mehr. Die ungepolsterten kommen auf maximal 800 (Lederkappzaum), 900 (Serreta) und bis zu 1000 Gramm (Caveçon) pro Quadratzentimeter.
Zwar könne man mit schärferen Werkzeugen Pferde leichter unter Kontrolle behalten. Aber Gymnastik mit Genickstellung und Biegung sei so nur schwer realisierbar. Zumal viele Pferde nur ungern an einen scharfen Kappzaum herantreten und keine Anlehnung anbieten. "Unerfahrene Pferde halten zwar oft den Hals hin, bleiben aber im Genick fest", beobachtet die Ausbilderin.
Den vollständigenTestbericht findet Ihr hier:
https://www.cavallo.de/reittraining/viel-zug-auf-dem-zirkel/