10/09/2026
Fast jedes dritte angebotene Haus in Deutschland liegt in Effizienzklasse G oder H.
Das ist keine Randerscheinung, sondern der Normalfall im Bestand. Und es verändert die Art, wie Käufer und Banken rechnen.
Was ich bei Ortsterminen beobachte: Kaufinteressenten rechnen inzwischen rückwärts. Sie nehmen ihr Budget, ziehen die absehbaren Sanierungskosten ab — Heizung, Fenster, Dach, Dämmung — und was übrig bleibt, ist ihr Kaufpreis. Die Bank macht im Grunde dasselbe, nur mit anderen Vorzeichen: Sie fragt, ob das Objekt in zehn Jahren noch das besichert, was heute finanziert wird.
In der Wertermittlung landet der energetische Zustand nicht als Bauchgefühl, sondern an klar definierten Stellen:
▪️ Im Sachwertverfahren über den Modernisierungsgrad, der die Restnutzungsdauer verlängert oder verkürzt
▪️ Im Ertragswertverfahren über die Bewirtschaftungskosten und das Risiko künftiger Instandhaltung
▪️ Im Vergleichswertverfahren über Zu- und Abschläge gegenüber Objekten anderer Effizienzklassen
▪️ Als besonderes objektspezifisches Grundstücksmerkmal, wenn ein konkreter Instandhaltungsrückstand beziffert werden kann
Ein häufiges Missverständnis: Ein schlechter Energieausweis senkt nicht automatisch den Wert um einen festen Prozentsatz. Entscheidend ist, was die Ertüchtigung an diesem konkreten Objekt kostet — und ob der Markt in dieser Lage bereit ist, das mitzutragen.
Umgekehrt gilt genauso: Eine teure Sanierung erhöht den Wert nicht automatisch um die investierte Summe. Zwischen Kosten und Wertzuwachs liegt oft eine Lücke.
Wer wissen will, wo sein Haus in dieser Rechnung steht, braucht keine Schätzung, sondern eine nachvollziehbare Aufstellung.
Dies ist keine Anlage- oder Kaufempfehlung, sondern eine fachliche Markteinschätzung. Fragen zu Förderung und Steuer gehören zu Energieberater und Steuerberater.
Grundlagen: Immobilienwertermittlungsverordnung, Gebäudeenergiegesetz
Bild: KI-generiert