29/11/2024
UNSER OFFENER BRIEF AN DEN BÜRGERMEISTER
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Piellusch,
mit Ihrer Entscheidung zum Verhängen einer Veränderungssperre für das Areal Neue Mitte Wunstorf haben Sie dem Projekt jede Perspektive auf eine zeitnahe Realisierung in den nächsten Jahren genommen. Diese Entscheidung zementiert den Status Quo und geht damit maximal an den Interessen der Bürger der Stadt, möglicher Neubürger von Wunstorf und den Anwohnern rund um das Areal vorbei.
Statt einer konstruktiven, sach- und lösungsorientierten Herangehensweise, haben Sie sich für eine rückwärtsgewandte Verhinderungs- und Machtpolitik entschieden und versperren sich im engsten Wortsinne jeglicher Veränderung auf dem Gelände. Das müssen wir und die Bürger Ihrer Stadt so zu Kenntnis nehmen. Sie heizen damit die Wut und die Verunsicherung vieler Bürger weiter an und verspielen damit wertvolles Vertrauen der Menschen in die Kompromissfähigkeit und Gemeinwohlorientierung der Politik in Wunstorf.
Es drängt sich zudem der Verdacht auf, dass Sie und offenbar auch einzelne Vertreter Ihrer Regierungskoalition den Sinn für die Wirklichkeit in Bezug auf dieses Projekt oder zumindest den Willen zu einer gütlichen Einigung verloren haben.
Anders wäre schwer zu erklären, wie man immer noch nicht erkennen kann oder will, dass das Projekt seit 2016 bereits zahlreiche Geburtsfehler aufweist, die sich nach und nach in der Detailprüfung gezeigt haben. Wir haben inzwischen auf Basis der Rückmeldung der vielen Gutachter und der Deutschen Bahn völlig neue Rahmenbedingungen und Spielräume als 2016. Alleine die uns vor Erwerb des Geländes vertraglich in Ihrem Letter of Intent zugesicherten Punkte können oder wollen Sie heute gar nicht mehr einhalten. All das spricht Bände, belegt unsere Argumentation und zeigt überdies, wie wenig lösungsorientiert, unzuverlässig und wenig verbindlich Ihre Seite leider seither gearbeitet hat.
Nochmals zur Erinnerung:
- Der größte Geburtsfehler des städtebaulichen Wettbewerbs von 2016 lag sicherlich in der Festschreibung eines 16-Meter-Walls für das Projekt. Dies war- wie wir inzwischen alle durch die Gutachten belegt wissen- nachweislich unnötig und völlig übertrieben. Eine derart massive Fehlvorgabe für den städtebaulichen Wettbewerb führte zwangsläufig zu Entwürfen (inkl. dem des Wettbewerbssiegers), die auf Basis massiv fehlerhafter Voraussetzungen entstanden sind. Diese Hypothek lastet bis heute schwer, auch wenn Sie vielleicht eine geringe Reduktion akzeptiert hätten. Falls Sie nicht glauben, wie absurd diese Vorgabe ist, googlen Sie spaßeshalber einmal selbst „größte Lärmschutzwand Deutschlands“. Anderswo in Deutschland geht es auch, nur in Wunstorf nicht. Es gibt KEINE städtebauliche Planung weltweit, die eine derart monumentale Planungsvorgabe hatte.
- In der Masterplanung war zudem eine direkte Verbindung von der Kernstadt zum Bahnhof als Kernelement vorgesehen. Der Siegerentwurf hat besonders deswegen damals die Jury (zurecht) überzeugt- das können Sie in der Begründung der Jury jederzeit nachlesen. Diese Verbindung ist durch den inzwischen genehmigten Bau der Gleisunterführung am Luther Weg jedoch NICHT mehr möglich, da das dortige Trogbauwerk für Personen- und Radverkehr den Park an der Stelle auf ca. 200 Metern physisch von der Straße abtrennt und eine direkte Vebindung mehrere hundert Meter künstliche verlängert. Die Planung für die Unterführung liegt Ihrer Bauverwaltung im Detail vor. Ein Blick darauf genügt, um dies zu verstehen. Darauf MUSS reagiert werden- das verweigern Sie jedoch konsequent.
- Das Verwaltungsgebäude sollte im Masterplan abgerissen und mit Reihenhäusern überbaut werden. Dies ist nicht mehr möglich und das massive, viergeschossige (!) Gebäude soll stattdessen nun auf Basis Ihrer Entscheidungen dauerhaft erhalten bleiben und erweitert werden. Dieser Baukörper definiert einen völlig anderen Schwerpunkt für das Quartier. Diese erheblich veränderte Ausgangssituation und die damit einhergehenden, neuen Planungsprämisse machen zwingend eine grundlegende Planänderung erforderlich. Auch das blenden Sie offenbar weiterhin aus.
Was muss noch passieren, damit man planerisch umdenkt?
Um all den geänderten Rahmenparametern seit 2016 in einer neuen Planung zu entsprechen, hatte Pesch & Partner, der Vorsitzende der Wettbewerbsjury im Sommer 2023 ein Werkstattverfahren als Lösung vorgeschlagen. Dieses wäre geeignet gewesen wäre, die neuen Prämissen in der gebotenen Weise zu würdigen. Auch diesen Vorschlag eines erfahrenen Experten für komplexe Stadtplanungsprozesse haben Sie ohne Begründung mit Verweis auf eine längts von der Realität überholte Beschlusslage abgelehnt.
Fazit: Die damals geltenden Planungsparameter gelten heute in weiten Teilen nicht mehr und machen eine Neuplanung unerlässlich, sofern man keine „Verschlimmbesserung“ einer längst obsoleten Konzeption auf Basis von ebenso überkommenen Rahmenbedingungen zum Ergebnis haben will. Zudem ist eine Anpassung an die geänderte Markt- und Fördersituation für Sozialwohnungsbau zwingend angezeigt. Auch das wollen Sie nicht wahrhaben, geschweige denn besprechen.
Die Beschlüsse Ihrer Koalition, die häufig auf Basis unvollständiger Information und ohne vorab mit uns zu sprechen oder uns anzuhören entstanden sind, können somit nur als Zeichen der Rat- und Konzeptlosigkeit Ihrer Verwaltungsspitze interpretiert werden und sind ein weiterer, trauriger Beleg für eine dysfunktionale Verwaltung und Politik in Wunstorf. Da Sie uns bereits öffentlich „Desinformation“ vorgehalten haben, haben wir uns erlaubt, zumindest für diejenigen, die die Fakten verstehen wollen, diesem offenen Brief einen Faktencheck beizufügen. Zudem stehen wir- wie immer- für alle Rückfragen oder Erläuterungen bei Missverständnissen zur Verfügung.
Wie bereits zuvor angedeutet, werden wir nun so lange warten, bis sich die Stadt Wunstorf zu einer der verbliebenen Handlungsoptionen entschließt und
a) ihre Planungsvorstellungen selbst und auf eigenes Risiko auf dem Gelände verfolgt. Dies ist unverändert und seit Ende 2023 zu den bekannten Bedingungen möglich und wir auch weiterhin bereit, das Gelände an die Stadt oder jeden anderen Interessenten zu veräußern.
Oder
b) die NMW wartet weiter auf einen Neuanfang, an dem ein sinnvoller und sachorientierter Dialog mit der Verwaltung wieder möglich ist und eine sinnvolle Planung fortgesetzt werden kann und nicht weiter verweigert wird.
Dafür stehen wir jederzeit bereit.