05/01/2020
Auf den ersten Blick klingt es gut: eine Chance für die Gemeinde 21 Parzellen für Einheimische zu schaffen und bei der angedachten Aufteilung von 60 zu 40 kommen dann seitens der jetzigen Grundstückseigentümer nochmal 14 Parzellen zu allerdings regulären Marktpreisen hinzu. Und ja, ein Kaufpreis für ein neues Reihenhaus von ca. € 675.000,00 ist für Murnauer Verhältnisse schon recht günstig. Nur sind € 675.000,00 für die meisten jungen Familien trotzdem eine Dimension, die sie nicht schultern können. Und diejenigen, die es sich leisten können, macht man mit den üblichen Einheimischenmodellen mittelfristig oft genug zu Millionären. Nämlich dann, wenn die bei Einheimischenmodellen übliche Haltefrist für das Grundstück abgelaufen ist und es dann ganz normal verkauft werden darf. Das ist aus meiner Sicht nicht unbedingt das, was man als sozialgerechte Bodennutzung bezeichnen sollte.
Grundsätzlich ist es ja positiv zu bewerten, wenn es Optionen gibt, Grundstücke für neuen Wohnraum zu erwerben. Besser wäre es aber, für diese Grundstücke Konzepte für eine nachhaltige und sozialverträgliche Nutzung zu entwickeln.
Zuallererst halte ich es für geboten, Grundstücke, die einer Kommune gehören oder die sie erwirbt, möglichst auch im Besitz dieser zu belassen, um sie der Spekulation zu entziehen. Natürlich ist die Versuchung groß, mit dem Verkauf von Parzellen erforderliche Investitionen für andere kommunale Vorhaben zu refinanzieren. Nur sind die Grundstücke dann dauerhaft verloren. Die bessere Variante wäre sicherlich eine Vergabe im Erbbaurecht und am besten an eine dem Gemeinwohl verpflichtete Genossenschaft, mit der dann entsprechende Vereinbarungen für die weitere Nutzung zu treffen wären.
Der nächste Kritikpunkt bezieht sich auf eine Bebauung mit Reihenhäusern. Das Einfamilienhaus, so wie es heute gebaut wird, ist weder ökonomisch noch ökologisch eine nachhaltige Lösung. Kostenintensiver in der Realisierung, verbraucht es deutlich mehr Fläche und Ressourcen als zusammenhängende Bauformen oder etwa auch der klassische Geschoßwohnungsbau. Wenn die Kinder dann üblicherweise nach 20 bis 25 Jahren ausgezogen sind, stellt sich für die verbleibenden Bewohner, die Eltern, in der Regel die Frage, wie die freigewordenen Flächen sinnvoll genutzt werden können. Mit zunehmendem Alter wird die Immobilie dann oft zur Belastung, sowohl was die körperliche als auch die finanzielle Leistungsfähigkeit angeht. Beispiele dazu finden sich zuhauf in jeder Gemeinde. Tendenz steigend.
Wenn man sich die demografische Entwicklung von Murnau ansieht, so ist im Zeitraum von 2017 bis 2037 in der Altersgruppe ab 65 Jahren ein Anstieg um rd. 43 % zu erwarten. Dagegen nehmen die Altersgruppen zwischen 18 und bis 65 Jahre ab. Zudem gibt es ganz allgemein immer mehr kleine Haushalte von Alleinstehenden, Alleinerziehenden, Auszubildenden, etc. Daraus lässt sich schließen, dass tendenziell mehr kleinteiliger, flexibler Wohnraum und damit eine andere Wohnraumstruktur benötigt wird, als sich bei einer üblichen Einfamilienhausbebauung ergibt. Gemeinschaftliche, generationenübergreifende Modelle wären hier sicher ein besserer Ansatz.
Fazit:
Dass sich hier evtl. eine neue Baufläche ergibt, ist positiv zu sehen, insbesondere aufgrund der in Murnau recht beschränkten Flächenressourcen.
Nachhaltige Wohnkonzepte bedeuten einen verantwortungsbewussten Umgang mit unserer Umwelt, mit dem Boden, mit Ressourcen und Energien. Nur so ist hochwertiger Wohnraum bezahlbar und gemeinschaftliches Miteinander umsetzbar.
Und noch ein Aspekt erscheint mir wichtig:
Wenn es gelingt, mit einem guten Modell die älteren Bewohner von Einfamilienhäusern in die neu zu schaffenden kleineren Einheiten zu „locken“, dann werden deren Häuser wieder für junge Familien frei. Selbstverständlich braucht es auch hier Modelle, Konzepte und vor allem viel Aufklärung. Beispiele gibt auch dafür bereits, wie die Gemeinde Kirchanschöring oder die Hofheimer Allianz beweisen.
Wenn Sie bis hierher gelesen haben, Gratulation. Und wenn ich mit diesem Beitrag einen Anstoß geben konnte, über das Thema Wohnen neu nachzudenken, dann freut mich das um so mehr.
Und dann noch ein Buchtipp:
"Verbietet das Bauen - eine Streitschrift" von Daniel Fuhrhop
Wenn Sie selbst über ein Grundstück verfügen und sich Gedanken machen, was damit in Zukunft geschehen könnte, freue ich mich über Ihre Anfrage.
Der Ruf nach einem Einheimischenmodell ist in Murnau nicht zu überhören. Jetzt unterbreitet der Immobilienmakler Rupert Poettinger der Marktgemeinde dafür ein konkretes Angebot. Und auch die Freien Wähler haben ein ihrer Meinung nach passendes Grundstück im Visier.