14/10/2022
NEUBAU VERKEHRSHAUS MIT WETTERSCHUTZ (TEILÜBERDACHUNG) FÜR ZOB RUDOLSTADT - Platz der OdF, 07407 Rudolstadt
Im Auftrag der Stadt Rudolstadt war für den Um- und Neubau des Zentralen Omnibus-Bahnhofes (ZOB) Rudolstadt der Neubau des Verkehrshauses mit Wetterschutz (Teilüberdachung) zu planen. Zentral wird eine Verkehrsinsel mit sechs Bus-Haltepunkten eingeordnet.
VERKEHRSHAUS:
Die Aufgabenstellung formulierte drei Funktionsbereiche, die in vorzugsweise einem Baukörper auf der verkehrsplanerisch vordefinierten Verkehrsinsel innerhalb einer Fläche mit mindestens 3,0 m Abstand zu den umlaufenden Bordsteinkanten einzuordnen waren:
- Servicebereich mit Ticketverkauf und innerer Aufenthaltszone sowie Büro,
- Aufenthaltsbereich für Busfahrer der KomBus GmbH sowie externe Busfahrer,
- öffentliche und barrierefreie WC-Anlage.
WETTERSCHUTZ (Teilüberdachung):
Im funktionellen Zusammenhang zum Verkehrshaus ist ein Wetterschutz (Teilüberdachung) für Wartebereiche und Eingänge zum Verkehrshaus innerhalb einer Fläche mit mindestens 1,6 m Abstand zu den umlaufenden Bordsteinkanten vorzusehen.
PLANUNGSANSATZ (allgemein)
Unter Berücksichtigung der zahlreichen und komplexen räumlichen und baulichen Umgebungsbedingungen sowohl im Bestand als auch der verkehrlichen Neuordnung des eigentlichen ZOBs wurde ein Planungsansatz mit folgender Prämisse formuliert:
+++ Gewährleistung eines hohen Maßes einfacher Form- und Gestaltfindung von Verkehrshaus und Wetterschutz (Teilüberdachung) im Sinne einer einprägsamen und gleichzeitig unaufdringlichen Adressbildung. +++
Mit diesem Ansatz wird neben dem Ziel hoher Funktionalität, Gebrauchstauglichkeit und Langlebigkeit auch dem gebotenen wirtschaftlichen Umgang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln entsprochen.
Das Verkehrshaus, der Wetterschutz (Teilüberdachung) und die Aufenthaltsqualität der weiteren Flächen der Verkehrsinsel als zentralen und nutzungsintensivsten Bereich des ZOBs werden durchgängig in einem engen räumlichen und funktionellen Zusammenhang betrachtet.
Durch das bauliche „Verschmelzen“ des eigentlichen Verkehrshauses mit dem Wetterschutz (Teilüberdachung) wird einerseits ein sparsames Gesamtvolumen und damit auch eine stringente Gestaltbildung ermöglicht, andererseits gewährleistet ein möglichst niedrig angeordneter Wetterschutz einen tatsächlichen Schutz der sich darunter aufhaltenden Bus-Fahrgäste vor Niederschlägen.
Einen Vorteil stellt trotz baulicher Verschmelzung die bauphysikalisch klar definierte Trennung von „warmen“ allseitig gedämmtem Raumvolumen des beheizten Verkehrshauses und „kalter“ abgedichteter Dachdecke des Wetterschutzes dar.
So benötigt der Wetterschutz außer einer Abstützung lediglich die Konstruktion des ohnehin vorhandenen Verkehrshauses aus Dachdecke, Wänden/Stützen und Gründung zur Ableitung der Eigen- und Verkehrslasten.
Die Dachoberseite erhielt, aufgrund der Einsehbarkeit von höheren Punkten der Stadt, wie der Heidecksburg, eine extensive Dachbegrünung.
Die Entwässerung der Dachflächen (extensive Gründachfläche oberhalb des eigentlichem Verkehrshauses und abgedichtete, geneigte, umlaufende Dachfläche des Wetterschutzes) erfolgt über eine umlaufende gründachintegrierte Rinne und zwei von oben revisionierbare Entwässerungspunkte in Fallrohre, die geschützt, aber revisionierbar in der Fassadenhülle angeordnet werden.
Die Dachfläche wird mit einer extensiven Begrünung als Retentionsdach mit einem zu definierenden Regenrückhaltevolumen versehen.
Die homogene Untersicht nimmt alle erforderlichen Funktionen, wie Beleuchtung, Lautsprecher, Videokameras, Infotafeln u.a. auf.
Beim Ausbau wird auf wenige und strapazierfähige Materialien orientiert.
Die Gewinnung der erforderlichen Wärmeenergie erfolgt über die Einordnung einer oberflächennahen Geothermieanlage in einer südwestlich angrenzenden unbefestigten Grünfläche. Die Heranführung erfolgt über eine unterhalb der Busfahrflächen anzuordnenden Leitungstrasse hin zum Verkehrshaus.
Die Beheizung erfolgt über eine Wärmepumpe als durchgehende WW-Fußbodenheizung. Teilbereiche werden be- und entlüftet.
Die Sanitärbereiche (interne WC-Anlage D + H für Personal, Busfahrer und öffentliche WC-Anlage D+ H + Beh) werden im Objektstandard ausgestattet.
Auftraggeber: Stadt Rudolstadt
Nutzer: KomBus GmbH, Bad Lobenstein (in Miete)
Bauzeit: 2019-2022, Außenanlagen 2021
Grundstück: ehemaliger Busbahnhof, ca. 15.800m²
BGF: 202 m2 Verkehrshaus + 228m² Wetterschutz (Teilüberdachung), zus. 430m²
BRI: 1.050m³ Verkehrshaus
Energetisch: oberflächennahe Geothermie mit Wärmepumpe
HLS/Elektro: https://six-engineers.com/kontakt/, Frank Six
Tragwerk: https://sghg-ingenieure.de/impressum/, Dr.Holger Keitel
Typografie (Fassade): https://dresden-design.de, Uwe Scholz
Fotos: Guido Tom Kahle, GTK Photography Dresden