04/04/2022
Leider durchaus realistische Darstellung.
„Seien Sie nett zu meinen Mitarbeitern. Es ist deutlich einfacher neue Kunden als neue gute Mitarbeiter zu finden!“
Der Job des Hausverwalters: Früher top - heute ein Job für Masochisten!
Als erfahrener Hausverwalter mit mehr als 30 Jahren Berufserfahrung und mehr als 1000 Eigentümerversammlungen in den Knochen kann ich wohl behaupten: Ich weiß wovon ich rede.
Deutlich machen möchte ich die negative Entwicklung unseres Berufsstand mittels eines Vergleichs.
Anfang der 90er Jahre:
Mein jüngeres Ich sitzt mit einer Eigentümerversammlung – abends um 19 Uhr – am Tisch.
Alle sind pünktlich und halbwegs gut vorbereitet. Selbst der neue Eigentümer hat sich vorher in die alten Protokolle eingelesen und weiß halbwegs über die bisherige Historie der Gemeinschaft und der Beschlüsse Bescheid.
Der Umgang miteinander und auch mit mir ist respektvoll und geschieht auf Augenhöhe. Die Beschlüsse werden in konstruktiver Art und Weise diskutiert und den WEG-rechtlichen Bestimmungen – auch diese waren damals nicht immer sinnvoll und logisch – wird Rechnung getragen.
Die Kommunikation zwischen Verwaltung und Eigentümern war in weiten Teilen lösungsorientiert und auch die Aussagen meiner Mitarbeiter wurden akzeptiert.
Ähnlich lief es auch im Tagesgeschäft meiner Verwaltung. Natürlich waren auch damals die Eigentümer schon fordernd und manchmal ungeduldig, aber es wurde immer noch „miteinander“ agiert. Es gab ein stillschweigendes Einverständnis, dass man die Querulanten in der Gemeinschaft (ja, auch diese gab es damals schon, wenn auch nur vereinzelt) gemeinschaftlich im Zaum hielt.
Meine Mitarbeiter und ich hatten zwar einen anstrengenden, aber auch einen abwechslungsreichen Job und sind mit den allermeisten unserer Kunden gut ausgekommen. Neue Mitarbeiter oder Azubis zu finden, war damals überhaupt kein Problem.
Überstunden gab es damals zwar auch schon, aber in der zweiten Jahreshälfte, sprich nach der Versammlungsphase, konnte man diese locker wieder ausgleichen. Das Thema Burnout war damals nur ein absolutes Randthema.
Sprung ins Jahr 2022:
Nach 2 Jahren Corona, einer WEG-Novelle und vielen vom Staat aufgebürdeten Zusatzleistungen sitze ich als Verwalter mal wieder völlig entnervt am Schreibtisch und weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht.
Gerade flattert mir wieder eine Krankmeldung eines Mitarbeiters auf den Tisch, der wegen psychischer Probleme länger ausfällt. Grund: Die ständigen Beschimpfungen und Pöbeleien unserer Eigentümer.
Und überhaupt ist die Zahl der täglich hereinkommenden Beschwerde-Mails sowie -Telefonate ins unermessliche gestiegen. Die „Gesellschaft EGO“ lässt grüßen.
Jeder will nur noch sein „Ding“ machen und rechtliche Vorgaben und Gesetze sind für Viele nur noch Empfehlungen statt Grenzen. Für die kleinsten Aufträge sollen immer 3, besser sogar 5 Angebote eingeholt werden … und das bei der aktuellen Lage mit den Handwerkern, wo man schon froh sein kann, wenn diese für uns Hausverwaltungen überhaupt noch arbeiten wollen.
Die Erstellung der Abrechnung, Reparaturmeldungen und die Vorbereitung von Sanierungen sind nur noch das tägliche Grundrauschen in der Immobilienverwaltung. Was die allermeiste Zeit in Anspruch nimmt, ist die wirklich anstrengende und zeitraubende Kommunikation mit den Eigentümern.
Jeder will ständig und möglichst aktuell informiert und gehört werden. Und jeder hat eine eigene Meinung zu dem jeweiligen Problem und ist sauer, wenn seine Lösung nicht zur Ausführung kommt.
Und das Thema Eigentümerversammlung ist ein ganz besonderes geworden. Meine jüngeren Mitarbeitern, und gerade die weiblichen, gehen schon gar nicht mehr alleine auf eine solche EV. Sie haben regelrecht Angst vor diesen Terminen.
Kein Wunder bei den vielen verbalen und teils auch körperlichen Attacken seitens der ach so friedlichen und kompromißbereiten Eigentümer. Einige Mitarbeiter haben schon gesagt, dass sie sich auf Dauer einen anderen Job suchen werden, wo sie sich nicht mehr tagein tagaus mit „diesen Kunden“ beschäftigen müssen.
Viele, fast alle, Eigentümer sehen im Hausverwalter nur noch den dienstpflichtigen Lakaien, der doch pflichtschuldigst auszuführen hat, was der Eigentümer als „Arbeitgeber“ (ja, diese Aussage kommt häufig) vorschreibt.
Hinzu kommt noch, dass das Wissen um das Wie und Warum im WEG bei den aktuellen Kunden einer HV kaum noch eine Rolle spielt. Eigentumswohnungen werden gekauft wie ein Handy. Wobei ich mal vermute, dass man sich beim Handy eher damit beschäftigt, wie dieses funktioniert als bei einer Eigentumswohnung.
Mitarbeiter zu finden ist wie einen 6er im Lotto zu haben und junge Leute schnuppern mal kurz in unseren Job rein … und nehmen nach kurzer Zeit die Beine in die Hand und suchen sich was anderes. Und ich kann sie sogar verstehen …
FAKT ist: Früher war es tatsächlich besser!
Die Aufgabenpalette ist in den letzten Jahren nicht nur von gesetzlicher Seite her verzehnfacht worden. Nein, von Kundenseite her ist die Anforderung von Jahr zu Jahr größer geworden … und der Ton immer rauer.
Da wundert es mich nicht, wenn viele Verwalter einfach aufgeben, verkaufen oder sich verkleinern und nur noch die Kunden betreuen, die einem mit Respekt und Wertschätzung begegnen.
Früher hätte ich auf die Frage, ob ich einem jungen Menschen den Beruf des Verwalters empfehlen könnte, immer mit einem klaren JA geantwortet. Heute würde ich sagen: Tu dir das nicht an, wenn du noch ein Privatleben haben möchtest und nicht jeden Tag angeschrien oder beschimpft werden möchtest.
Ich weiß, dass dies nicht für jede Hausverwaltung gilt. Aber für Viele! Zu Viele!
Wenn SIE das verändern und aus diesem Teufelskreis heraus möchten, dann suchen Sie das Gespräch mit mir, dem „Verwalter-Berater“.