17/06/2026
[FACES OF SCHWABINGER TOR]
Mit unserer Porträtreihe stellen wir Menschen vor, die mit dem Schwabinger Tor verbunden sind. Heute lernen wir Cala kennen – eine Künstlerin, deren Arbeiten von Verbindung, Veränderung und dem Mut erzählen, den eigenen Weg zu gehen.
✈️ Cala wächst in München auf und malt schon als Kind sehr gern. Gleichzeitig wächst ihre Neugier auf das, was jenseits des Vertrauten liegt: neue Orte, andere Menschen, und Begegnungen. Sie entscheidet sich zunächst für einen Beruf, der genau das ermöglicht, reist viel und bewegt sich ständig zwischen wechselnden Städten, Kulturen und Begegnungen. 2014 führt ihr Weg nach Dubai. Was als beruflicher Schritt beginnt, verändert ihren Blick auf vieles grundlegend. Vier Jahre bleibt sie dort – und nimmt eine Offenheit mit, die sie bis heute prägt. Ideen stoßen auf Begeisterung statt auf Zweifel, Visionen dürfen groß gedacht werden. „Dort hatte ich zum ersten Mal wirklich das Gefühl, dass alles möglich ist“, erzählt sie.
In Dubai initiiert sie eine Kunstplattform, begleitet Künstlerinnen und Künstler und taucht immer tiefer in kreative Prozesse ein. 🎨 Dabei merkt sie, wie sehr sie diese Welt berührt. Wenn sie mit Kunstschaffenden arbeitet, spürt sie dieses aufgeregte Kribbeln im Bauch – und versteht, dass sie nicht nur Kunst begleiten, sondern selbst erschaffen möchte. Zurück in München gibt sie diesem Gefühl Raum, richtet sich ein Atelier ein und beginnt sich auszuprobieren. Farben werden auf Leinwände geschüttet, Materialien getestet, Strukturen hinterfragt. Die Künstlerin sucht nicht einfach eine Technik – sie sucht nach etwas, das sich wirklich nach ihr anfühlt.
Fäden als Sprache
Der entscheidende Impuls entsteht durch einen Faden, der zunächst nur beiläufig in ihren Acrylbildern auftaucht. Doch je länger Cala damit arbeitet, desto klarer wird: Hier entsteht ihre individuelle Sprache. Der Weg dorthin ist experimentell, vieles funktioniert nicht sofort. Erst mit einem besonders stabilen Faden findet sie das Material, das die nötige Spannung und Präzision ermöglicht.🪡
Mit ihm verändert sich ihre Bildsprache grundlegend. Aus kleinen Skizzen werden großformatige Werke mit klaren, geometrischen Strukturen. Für Cala stehen die Fäden für das Unsichtbare zwischen Menschen – Gedanken, Emotionen, innere Bewegungen. „Meine Bilder beginnen gedanklich immer mit dem Faden“, erklärt sie. „Auch wenn er praktisch erst ganz zum Schluss gesetzt wird.“ Besonders in Momenten, in denen sich die Fäden verdichten, braucht ihre Arbeit höchste Konzentration. Dann blendet sie alles um sich herum aus und versinkt völlig im Prozess. Diesen Zustand, ganz im eigenen Tun aufzugehen, empfindet sie als größte Freiheit.
💬 Ihre Werke laden dazu ein, stehen zu bleiben, genauer hinzusehen und Gedankenspiele entstehen zu lassen. Cala beschreibt ihre Bilder gerne als „Partner für einen Dialog“. Wo stehe ich gerade? Wo möchte ich hin? Fragen wie diese schwingen in ihren Arbeiten spürbar mit.
Zwischen Atelier und Aufbruch
Privat schätzt die Künstlerin kurze Wege: Ihr Atelier im Schwabinger Tor liegt ganz nah an allem, was ihr wichtig ist: Zuhause, Kindergarten, Freunde und Sport. Bewegung spielt eine große Rolle in ihrem Alltag. Zweimal pro Woche trainiert sie mit der Langhantel und geht joggen. Ein spontanes Picknick mit Freunden im Englischen Garten, lange Gespräche draußen, Zeit ohne großen Plan - „Das ist für mich echter Luxus“, schwärmt sie. Ihr vierjähriger Sohn malt selbst begeistert, liebt die Farben ihrer Werke und betrachtet ihre Kunst mit ehrlicher, direkter Neugier. Nur modisch ist er manchmal anderer Meinung als seine Mutter. Und obwohl Cala mit Nadel und Faden beeindruckende Kunstwerke erschafft, bleibt ein loser Knopf ihr persönlicher Endgegner.
🌇 Pläne bis ins letzte Detail zu schmieden, ist nicht ihre Art. Viel lieber vertraut sie darauf, dass neue Wege unterwegs entstehen. Vielleicht führt sie ihre Kunst eines Tages wieder in den Mittleren Osten zurück – dorthin, wo vieles begonnen hat.
Danke, liebe Cala, dass du deine Zeit und Geschichte mit uns geteilt hast. Wir verfolgen deinen Faden gespannt und sind uns sicher: Du und er haben noch einiges vor.