27/09/2026
Bedenkenloses Sandstrahlen von Ziegelfassaden kann mehr schaden als nützen!
Auf den vorliegenden Bildern sind typische Schäden an einer älteren Ziegelfassade erkennbar. Neben offenen und ausgewitterten L***r- und Stoßfugen zeigen sich Rissbildungen in einzelnen Ziegelsteinen sowie beginnende Oberflächenabplatzungen.
Nach Angaben des Eigentümers wurde die Fassade in der Vergangenheit sandgestrahlt. Bei Ziegelfassaden aus den 1920er- und 1930er-Jahren ist ein solches Verfahren kritisch zu bewerten. Durch das Strahlen kann die ursprünglich dichter gebrannte und witterungsbeständige Oberflächenschicht der Ziegel beschädigt oder teilweise entfernt werden. Hierdurch erhöht sich die Wasseraufnahmefähigkeit der Ziegel und Fugen. Gleichzeitig nimmt die Widerstandsfähigkeit gegenüber Schlagregenbeanspruchung sowie Frost-Tau-Wechseln ab.
Die festgestellten offenen Fugen und Risse begünstigen zusätzlich das Eindringen von Niederschlagswasser in das Mauerwerk. Langfristig können hierdurch weitere Substanzschäden, Frostabsprengungen, Ausblühungen und Feuchteprobleme entstehen.
Ziel einer fachgerechten Sanierung sollte der weitgehende Erhalt der vorhandenen historischen Fassade sein. Hierzu kommen insbesondere die Erneuerung schadhafter Fugen, der Austausch stark geschädigter oder gerissener Ziegelsteine sowie die partielle Ergänzung kleinerer Ausbrüche mit geeigneten Restauriermörteln in Betracht. Je nach Schadensbild kann darüber hinaus eine umfassende Fugensanierung erforderlich werden. Durch diese Maßnahmen lässt sich die ursprüngliche Funktion und Optik der Fassade häufig erhalten, ohne größere Fassadenbereiche erneuern zu müssen.
Nach Abschluss der Mauerwerks- und Fugeninstandsetzung sind geeignete Maßnahmen zum Schutz der Fassade zu prüfen. In Fachkreisen werden hierzu unterschiedliche Auffassungen vertreten. Während teilweise hydrophobierende Behandlungen zur Reduzierung der Wasseraufnahme empfohlen werden, bevorzugen andere Fachleute dauerhaft diffusionsoffene Sanierungskonzepte ohne Hydrophobierung. Die Eignung einer solchen Maßnahme ist daher stets objektspezifisch zu beurteilen und hängt insbesondere vom Zustand der Ziegel, dem Feuchtehaushalt des Mauerwerks sowie der Art der bisherigen Schädigungen ab. Ob eine Hydrophobierung als ergänzende Schutzmaßnahme in Betracht kommt, kann erst nach weitergehenden Untersuchungen beurteilt werden. Hierzu können zusätzliche Prüfungen der Schlagregendichtheit sowie des Feuchteverhaltens der Fassadenkonstruktion erforderlich werden. Erst auf Grundlage dieser Ergebnisse lässt sich ein dauerhaft geeignetes Sanierungskonzept festlegen.
Fazit: Sandgestrahlte Ziegelfassaden wirken zunächst optisch sauber und ansprechend. Technisch kann die Maßnahme jedoch erhebliche Nachteile mit sich bringen. Insbesondere bei historischen Fassaden sollte vor einer Reinigung durch Sandstrahlen sorgfältig geprüft werden, ob dadurch die schützende Oberflächenstruktur der Ziegel dauerhaft geschädigt wird. Der Erhalt der Originalsubstanz sollte dabei stets Vorrang vor einem rein optischen Erscheinungsbild haben. Die vorgefundenen Schäden deuten auf einen erheblichen Instandsetzungs- und Wartungsbedarf hin, um die Dauerhaftigkeit der Fassade langfristig zu sichern.