13/05/2026
💎Erlaer Straße 9- eine historische Zeitreise
Teil 3: Wenn Architektur lebendig wird - Einzug der städtischen Bibliothek
Arthur Rauchfuß prägte Schwarzenberg nicht nur mit markanten Fassaden und durchdachter Architektur – einige seiner Gebäude wurden zugleich zu Orten des öffentlichen Lebens.
Ein besonderes Beispiel dafür ist das Haus in der Erlaer Straße 9, das Ende der 1920er-Jahre als Wohn- und Geschäftshaus mit integrierter Bücherei entstand. Damit wurde ein Gebäude geschaffen, das weit mehr als nur einen funktionalen Zweck erfüllte: Es stand sinnbildlich für den wachsenden Stellenwert von Bildung und Kultur in Schwarzenberg.
Bereits in den 1920er-Jahren stiegen unter der Leitung von Oberstudiendirektor Dr. Walter Fröbe die Benutzerzahlen der Volksbücherei stetig an. Die Einrichtung musste mehrfach umziehen. Schon 1923 bezog die Bücherei neue Räume; die erste Ausleihe fand am 9. Oktober desselben Jahres statt. Doch auch diese Kapazitäten reichten bald nicht mehr aus, um dem zunehmenden Interesse gerecht zu werden. Der Wunsch nach Wissen war groß, und der vorhandene Bestand sollte um weitere Fachgebiete wie Philosophie und Literaturkunde ergänzt werden. Fachgutachten und umfangreiche Planungen führten schließlich zu der Entscheidung, die Bücherei in das Gebäude an der Erlaer Straße zu integrieren.
Der von Arthur Rauchfuß entworfene Bau wurde durch Baumeister Walter Ring umgesetzt. Laut einer Baukostenzusammenstellung aus dem Jahr 1928 wurden für das Vorhaben rund 140.000 Mk veranschlagt – eine beachtliche Summe für die damalige Zeit. Auch technisch zeigte sich das Gebäude auf der Höhe seiner Zeit: Eine moderne Heizungs- und Ofenanlage, Gas- und elektrische Beleuchtung sowie Wasser- und Badeeinrichtungen gehörten zur Ausstattung. Mehrere Geschosse, ein Keller sowie ein ausgebautes Dachgeschoss schufen Raum für eine Einrichtung, die weit über ihre ursprüngliche Funktion hinauswuchs.
Unter der Leitung von Dr. Walter Fröbe, dessen Interesse auch dem Verfassen von Schriften über Schwarzenberg sowie erzgebirgischen Bergmannsgeschichten galt, entwickelte sich die Einrichtung zu einer zentralen Anlaufstelle des volkstümlichen Büchereiwesens. Sie galt laut dem Schwarzenberger Tagblatt als Musterbeispiel – nicht nur für den gesamten Bezirk und den Freistaat Sachsen, sondern für das gesamte Deutsche Land. 📖
Am 2. März 1930 wurde das Gebäude feierlich eröffnet. In der Aula der 1. Bürgerschule (Stadtschule) kamen Vertreter aus Verwaltung, Wirtschaft und Bildungswesen zusammen, begleitet von einem musikalischen Rahmenprogramm. Die feierliche Einweihung unterstrich die große Bedeutung, die diesem Ort von Beginn an beigemessen wurde.
So wurde die Erlaer Straße 9 weit mehr als nur ein Gebäude – sie entwickelte sich zu einem Ort des Wissens, der Begegnung und des kulturellen Lebens in Schwarzenberg. 🏦