24/07/2023
Beginnen möchten wir die Präsentation unserer Arbeit mit der letzten Bewerbung für das Hofgut Eulenau in der Gemeinde Bad Feilnbach. Nachdem ca. 20 Bewerber ihre Konzepte eingereicht hatten, sind wir mit 2 weiteren Kandidaten in die in die zweite Runde gekommen und durften dem Gemeinderat unsere Ideen und Planungen vor Ort vorstellen. Obwohl unser Konzept und speziell das Thema Inklusion viel Zustimmung im Gemeinderat fanden, hat am Ende ein Mitbewerber den Zuschlag bekommen.
Einige Details:
2021 hat die Gemeinde Bad Feilnbach zum ersten Mal die Bewerbung für ein neues Nutzungskonzept des Hofgutes Eulenau, das seit einigen Jahren ungenutzt ist, einzureichen. Der Vorgang wurde allerdings von der Gemeinde zurückgestellt um dann im Sommer 2022 wieder aktiviert zu werden. Wir sehen hier die Möglichkeit ein Konzept ganz im Sinne unserer Satzung zu entwickeln. Nicht nur die schöne und weitläufige Viereck-Hofanlage überzeugt, auch die gute Verkehrsanbindung über die Anschlussstelle der A8 Bad Aibling und die weitläufigen landwirtschaftlichen Flächen bergen vielfältige Möglichkeiten. Unsere Idee ist einen Ort der Begegnung zu schaffen, der lebendig und beispielhaft die Möglichkeiten und Chancen von „Inklusion“ aufzeigt, sich mit der Region vernetzt und als Teil der Gemeinde Bad Feilnbach weithin in die Umgebung des Apfeldorfs ausstrahlt. Das charmante Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit seinen ortsüblichen Stall-Gewölben soll behutsam saniert und erhalten werden, ebenso wie die kleine denkmalgeschützte Kapelle. Die Hofstelle mit Umgriff umfasst eine Fläche von ca. 26.000 m².
Es soll ein zukunftsorientierter, wirtschaftlich solider, sozial engagierter Ort der Begegnung geschaffen werden, der auf fünf Säulen steht:
• Gastronomie – mit regionalen Produkten
• Beherbergung – in wunderbarer Landschaft
• Wohnen – gelebtes Miteinander
• Arbeiten – Handwerk, Kunst und Kultur
• Gartenbau und Landwirtschaft – alles Bio
Wir haben ein Netzwerk von regionalen Unterstützern für dieses Projekt gewinnen können, unter anderem die Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand-Wendelstein. Diese sieht in diesem Projekt eine Bereicherung für die Region.
Inklusion
Bei der Bewerbung für das Hofgut Eulenau haben wir uns sehr intensiv mit dem Thema Inklusion, unserem Kernthema, beschäftigt. Hier wollten wir einen Ort schaffen, in dem Inklusion wirklich gelebt wird. Es sollte in Lebensort werden, an dem Menschen mit und ohne Beeinträchtigung selbstbestimmt leben und arbeiten können, jeder, wie es ihm möglich ist. Aber was bedeutet Inklusion eigentlich wirklich in der Realität und wie kann Inklusion im Alltag gelingen? Wie können Menschen mit Beeinträchtigung gefördert werden und trotzdem eigenständig und selbstbestimmt sein? Was bedeutet das für die Menschen ohne Beeinträchtigung im Zusammenleben und wie schaffe ich Gemeinschaft und Privatsphäre gleichzeitig? All diese Fragen gilt es zu diskutieren und zu beantworten. Wir haben erst einmal angefangen, zu recherchieren, welche Möglichkeiten Menschen mit Behinderung aktuell haben und wo es bereits Lebensorte gibt, die diese Art von Inklusion bereits praktizieren.
Sehr spannend war hierbei ein Projekt „Zum Schwarzwälder Hirsch“ des Hofguts Himmelreich in Kooperation mit dem prominenten Koch Tim Mälzer. Hier ist eine bunte Truppe aus Menschen mit Beeinträchtigung zusammengewürfelt, um gemeinsam ein Gasthaus zu eröffnen und zu betreiben. Ziel war es, die Menschen soweit zu fördern, auszubilden und zu stärken, damit sie auf dem 1. Arbeitsmarkt eine Chance bekommen und ihre Kompetenzen und Stärken der Allgemeinheit zur Verfügung stellen können. Interessant war hierbei zu beobachten, wie viel Wille zu Arbeiten und wie viel Energie, aber auch Gemeinschaftsgefühl und Verantwortungsbewusstsein zu Tage gebracht wurde. So konnte am Schluss des Projekts jeder und jedem eine feste Arbeitsstelle auf dem 1. Arbeitsmarkt vermittelt werden. Gleichzeitig konnte auch beobachtet werden, wie viel die Menschen ohne Beeinträchtigung, Mitarbeiter und Gäste, von den Menschen mit Beeinträchtigung profitieren konnten.
“Wir wollen beweisen, dass Mitmenschen mit einer Beeinträchtigung genauso ihren Beitrag zu einem Unternehmen liefern können.” sagt Albrecht Schwerer, Geschäftsführer der Diakonie-Einrichtung Gut Himmelreich
Das bestärkt uns in unserem Vorhaben, Inklusion zu einem wesentlichen Bestandteil unserer Arbeit zu machen. Der Mensch ist oft versucht, sich die Welt so zu gestalten, wie er sich perfekt vorstellt und sortiert gerne nach Farben, Formen und Mustern. Das ist vielleicht hübsch anzusehen, aber doch scheint immer etwas zu fehlen. Daher ist es wichtig, die Welt so anzunehmen, wie sie ist, und mit dem Status quo zu arbeiten. Denn wenn man Farben, Formen und Muster kombiniert, entsteht ein harmonisches Ganzes, das alle Ressourcen ausschöpft und jeder Möglichkeit Raum gibt. Und das wiederum fördert nicht nur die soziale, sondern durchaus auch die wirtschaftliche Komponente.
Daher bedeutet Inklusion nicht nur, Wohnraum zur Verfügung zu stellen, sondern auch eine soziale Mischung zu erzeugen und Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen. Diese im Umgriff des Wohnens zu schaffen wäre optimal, aber da das nicht immer möglich ist, muss auch an die Verkehrsanbindung gedacht werden.
Wir halten es für wichtig die Bedürfnisse der einzelnen Menschen, der verschiedenen Lebensphasen und ihrer Kompetenzen zu betrachten und in die Planungen mit einzubeziehen.