16/05/2026
Polen gilt mit einer Eigentumsquote von rund 87 % als Land der Wohnungseigentümer – und trotzdem ziehen die Preise mit 18 % Jahressteigerung davon. Während für viele Polen der Traum vom Eigentum in die Ferne rückt, wird der Markt für internationale Investoren immer attraktiver: niedrigeres Preisniveau als in Westeuropa, weniger Regulierung, hohe Nachfrage. Genau in dieses Spannungsfeld stoßen deutsche Konzerne wie TAG Immobilien vor.
TAG besitzt bereits etwa 3.500 Neubau-Mietwohnungen in Polen, zusätzlich zu rund 83.500 Einheiten in Deutschland – und der nächste Schritt ist schon vorbereitet: Ein Vertrag über weitere ca. 5.300 Mieteinheiten liegt unterschrieben auf dem Tisch, kartellrechtliche Zustimmung vorausgesetzt. Parallel steht ein möglicher Börsengang in Warschau im Raum, um noch mehr Kapital für weiteres Wachstum einzusammeln. Für deutsche Investoren ist das ein klares Signal: Der Markt wird institutioneller, professioneller – und kompetitiver.
In Polen schlägt diese Entwicklung allerdings längst politisch und emotional auf: Experten sprechen davon, dass der institutionelle Mietmarkt „von den Deutschen übernommen“ werde. Der Vorwurf: Mehr Wohnungen in Fondsportfolios, weniger Verfügbarkeit für Einheimische, steigende Mieten und Kaufpreise. Gleichzeitig fehlen staatliche Förderprogramme und eine sichtbare Wohnungspolitik, die die eigene Bevölkerung entlastet. Während der Markt laut Prognosen bis 2029 jährlich um rund 6 % wachsen soll und schon 2025 ein Volumen von etwa 2,7 Milliarden Euro erreicht, wächst auch der Unmut.
Die eigentliche Frage ist daher nicht: „Lohnt sich Polen für Investoren?“, sondern: „Zu welchem Preis – und wie lange noch unter diesen Rahmenbedingungen?“ Wer hier investieren will, braucht mehr als nur einen Taschenrechner. Entscheidend ist, ob das eigene Modell auch dann noch trägt, wenn Regulierung nachgezogen wird, wenn der politische Druck steigt und wenn die Stimmung in der Bevölkerung kippt. Kurzfristige Rendite lässt sich fast überall finden – nachhaltige Rendite nur dort, wo Wirtschaft, Politik und Gesellschaft noch halbwegs in dieselbe Richtung schauen.